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INTERVIEW (im Januar 2006)
Rainer J.Hocher im Gespräch mit Andy Claus

Andy Claus: Ich kenne einige Deiner Bücher, viele Deiner Texte. Was mich und auch andere, vielleicht neue Leser interessiert - Hast Du alles, was Du schreibst, wirklich erlebt?

RJH: Sagen wir mal so - ein großer Teil meiner Texte sind sehr autobigraphisch, meine Reisereportagen ohnehin. Dieser Faden zieht sich durch alle meine Bücher, doch so manches ist eben auch durch Erhörtes, Gesehenes und Erzähltes ergänzt, damit es literarisch besser auf die Leserschaft wirkt. Ich sage immer: etwa 80 % meiner Schreibe ist authentisch und damit kann ich leben, ohne mich zu verbiegen.

Andy Claus: Du nimmst beim Schreiben kein Blatt vor den Mund. Hattest Du deshalb schon mal Probleme?

RJH: Bisher noch nicht oder kaum. Mit der Presse in Sachsen hatte ich vor über zehn Jahren mal ein kleines Problemchen, weil verschiedene Texte von mir ( politische ) ins falsche Ohr gelangt sind, doch ich konnte mit einer Gegendarstellung einiges bereinigen und diese Journalistin wurde dann anderswohin versetzt.

Andy Claus: Du malst auch Aquarelle. Ist die Intension zu malen genauso stark wie die zu schreiben?

RJH: Meine Intuition zur Malerei ist keineswegs so stark, wie die zum Schreiben. Ich habe zwar einige, auch berühmte Malerfreunde, doch benutze mein Bildermalen eher als Ausgleich, um zur eigenen Ruhe zu gelangen. Letztendlich macht es mir Spaß, mit Farben etwas zum Ausdruck zu bringen und so versuche ich in Collagen halt auch Denkanstöße zu setzen.

Andy Claus: Wie regieren Frauen auf Deine Geschichten, Verse und Bilder?

RJH: Oh, sehr unterschiedlich, was natürlich auch mit den jeweiligen Texten oder Lokalitäten zusammen hängt, wo ich gerade lese. Meine Bilder finden viele Frauen recht passabel, doch bei so manchem Gedicht, rünpfen auch manche die Nase, weil sie es nicht verstehen, bzw. verstehen wollen. Doch warum soll ich da 'ne saftige Erklärung dazu abgeben, wo doch eh alles das wahre Leben trifft? Gemacht wird's so und so und anderswo...ha, ha, ha...

Andy Claus: Haben die Frauen in Deinem Leben Dich verstanden und Deine Arbeit unterstützt?

RJH: Hier sollte ich wahrscheinlich meine dritte Ehefrau besonders erwähnen, die mich in meinen Anfangsjahren sehr unterstützt hat, doch als dann meine Texte etwas schärfer wurden, ist sie damit auch nicht mehr klar gekommen. Gute Texte, also lebensechte, derbe, vulgäre, obszöne, wie sie sagte, kamen nicht durch ihre Zensur und ich zog mich innerlich deshalb wieder in mich zurück. Heutzutage lasse ich mich von keinem mehr bevormunden, auch wenn's so mancher Verleger gerne hätte.

Andy Claus: Kannst Du noch sagen, welche Frau die größte Lücke in Deinem Leben hinterlassen hat?

RJH: Darauf gibt es nur eine kurze Antwort: Meine zweite Frau! Doch das liegt über fündundzwanzig Jahre zurück und wir können uns heutzutage ehrlich in die Augen sehen.

Andy Claus: Gibt es Dinge in Deinem Leben, die Du aus tiefstem Herzen bereust?

RJH: Obwohl ich eigentlich so vieles in meinem bisherigen Leben "verkehrt" gemacht habe, bereue ich nichts, rein gar nix! Keinen lumpigen Cent oder Dollar, der vielleicht sinnlos vergeudet wurde, keinen Beziehungsbruch, der mich manchmal gar fast wahnsinnig bis an den Abgrund führte, kein Wenn oder Aber, denn für mich zählt nur der heutige Tag, das Morgen und vielleicht ein noch klein wenig das Übermorgen. Man analysiert das Ganze und sagt sich nur: Mach' es besser, wieder hole nicht die alten Fehler!

Andy Claus: Wie reagieren Frauen auf Dich und Deine Schreibe?

RJH: Unterschiedlich, sehr unterschiedlich. Manche betrachten mich als großen Hero, der ich doch sogar nicht bin, andere sehen mich vielleicht als Spinner. Doch ich bin eher ein ruhiger Typ und will nur verstanden werden.

Andy Claus: Wegen was sind die meisten Beziehungen auseinander gegangen?

RJH: Ich schätze, so jede Beziehung geht fifty-fifty auseinander. Das war bei mir nicht anders, nur früher war ich vielleicht etwas zu stur, zu sehr Löwenorientiert, zu wenig einsichtig und mein eigenes Ego hat dazu sicherlich beigetragen, das ich eben zu oft gescheitert bin. Heutzutage hat sich natürlich auch mein Spektrum erweitert. Ich denke, ich bin da weit nachsichtiger, toleranter und suche halt eine Partnerin, welcher ich mich auch ganz schenken kann.

Andy Claus: Lebst Du jetzt in einer Partnerschaft?

RJH: Ne! Zur Zeit bzw. schon länger - ach, das mag nun schon über drei Jahre her sein - lebe ich in keiner festen Partnerschaft, nur mit meinem Kater Jesper Charles H. und vereinsame so langsam...

Andy Claus: Also möchtest Du wieder eine Partnerin an Deiner Seite haben?

RJH: Klaro hätte ich liebend gern wieder 'ne feste Lady um mich, nur die ist eben schwer zu finden oder muss vielleicht erst noch gebacken werden?

Andy Claus: Man kann also sagen, Du bist momentan auf der Suche nach einer Partnerin?

RJH: Diese Frage kann ich nur bejahen!

Andy Claus: Wie muss eine Frau sein, damit Du sie an Deinem Leben teilhaben lässt?

RJH: Treu, zärtlich, ehrlich und charmant, mit etwas Witz und Humor, tolerant und ein klein wenig durch den Wind. Sie sollte nicht unbedingt etwas mit Literatur am Hut haben, doch auch Verständnis für meine Schreibe mitbringen.
Und alles Schöne sollte sie lieben - mit mir wandern, schwimmen, faulenzen oder Musik hören bei einem Gläschen Wein. Ist das zu viel verlangt? Ob es so Eine wohl noch heutzutage gibt?

Oh, Andy Claus, ich bedanke mich für deine Fragen.